Artikel drucken

16.04.2007

Knut - Der Berliner Zoo und die Pressefreiheit

Dank Knut findet der Berliner Zoo seit geraumer Zeit eine besondere Beachtung in den Medien und in der Öffentlichkeit. Doch Knut ist längst kein putziger Eisbär mehr, sondern ein mit Kalkül eingesetztes Merchandising-Produkt. Mit einem besonderem Passus in seinem Pressebereich, versucht nun der Berliner Zoo, auf die Berichterstattung über sich und seinen Medienstar, Einfluß zu nehmen.

Wer Zugang zum Pressebereich des Berliner Zoos erhalten möchte, muss eine "spezielle" Vereinbarung unterschreiben, und sich (unter Punkt 2.) damit verpflichten (Link: http://www.zoo-berlin.de/uploads/media/Vereinbarung_Presse_Zoo_Internet.pdf) (PDF-Dokument)

die Materialien nicht für Darstellungen zu verwenden oder zu überlassen, die die Zoologischer Garten Berlin AG oder ihre Mitarbeiter in einem ungünstigen Licht erscheinen lassen

Es ist wirklich putzig, das merkwürdige Verständnis des Zoologischen Gartens von Meinungs- und Pressefreiheit zu beobachten, sobald es um sein vermeintliches Positivimage in der Öffentlichkeit geht. Knut soll jetzt - solange er klein und süß ist - bestmöglich vermarktet werden, etwaige Kritik und aufkommende Mißstimmung unerwünscht.
Diese Maulkorb-Klausel merkwürdige Vereinbarung sorgt allerdings für Verärgerung bei Medien und Journalisten-Verbänden, DJV-Vorsitzender Michael Konken kritisiert die Schrift mit den Worten (Link: http://www.djv.de/SingleNews.20.0.html?&tx_ttnews[tt_news]=827&tx_ttnews[backPid]=18&cHash=e3012ffe8e)

Der Berliner Zoo hat nicht das Recht, in die Freiheit der Berichterstattung einzugreifen

Doch damit nicht genug, es werden erste Stimmen laut, die dem Knut-Hype ein baldiges Ende (Link: http://visdp.de/pdf_magazin/visdp_029.pdf) vorhersagen

Knut ist doof, stinkt und wird in einem Jahr so fett sein, dass sich keine Sau mehr für ihn interessiert. Und für den Berliner Zoo schon gar nicht.

Bei aller Liebe und Verständnis für Imagepflege und Merchandising, es stände dem Berliner Zoo gut, sich mit dem Begriff Pressefreiheit intensivst auseinander zu setzten. Die Medien bleiben nämlich, auch nachdem Knut seinem putzigen Babyfell entwachsen ist.
Doch der Berliner Zoo sieht den Sachverhalt - erwartungsgemäß - anders, die Maulkorb-Klausel solle keine positive Berichterstattung erzwingen, "sie diene vielmehr zur Wahrung der Würde von Tieren und Pflegern", so Gerald Uhlich (Link: http://www.welt.de/berlin/article805947/Berliner_Zoo_Es_gibt_keine_Knebelvertraege_.html), kaufmännischer Leiter der Einrichtung. Na, denn!