Dank schneller Internetverbindungen, altbewährter Client-Server-Konzepte und der "Wiedergeburt" bereits bekannter JavaScript-Technologien (heissen jetzt Ajax), sind browserbasierte Anwendungen seit Aufkommen von Web 2.0 auf dem Vormarsch.
Braucht man zukünftig nur noch eine schnelle Internetverbindung und einen Browser, um auf benötigte Software zuzugreifen? Soweit ich mich erinnern kann, ist diese Diskussion bereits seit 1997 in vollem Gange, der Traum existiert hingegen schon etwas länger. Aufgrund der Ende der 90-er Jahre noch lahmenden Internetverbindungen, konnte einem allerdings diese Diskussion damals nur ein müdes Lächeln abringen.
Die Situation hat sich nun geändert: Schnelle Breitbandverbindungen und eine immer bessere Verfügbarkeit ermöglichen zunehmend die Verwirklichung der "Browser-Vision". Ich spreche hier von zunehmend, da ein simpler Vergleich zwischen z.B. lokaler Office-Software - OpenOffice oder Microsoft Office - und der entsprechenden Webanwendung - hier beispielhaft Google Docs (Link: http://docs.google.com/) - die Euphorie hinsichtlich der Zukunft browserbasierten Anwendungen, erheblich dämpft; Browser bieten bisher leider nur eine vergleichsweise armselige Plattform für die Entwicklung von Anwendungen, hinzu kommt, dass eine 100-prozentige Verfügbarkeit von Online-Verbindungen, vorerst eine Utopie darstellt.
Wie fast immer im Leben, könnte sich eine gesunde Mischung zwischen browserbasierter Technologie und lokalen Applikationen, als zukunftsträchtig, realisierbar und produktiv erweisen. Das meint auch Allison Randal in einem veröffentlichten O'Reilly-Artikel und resümiert sachlich (Link: http://radar.oreilly.com/archives/2007/05/beyond_the_brow.html)
The wave of the future is not web browser applications. Instead we're coming full circle back to desktop applications, but this time we've broken the old idea of single user silo applications with no connection to the outside world. The wave of the future is lightweight desktop applications with the same massively networked, Web 2.0 behavior we've come to expect from browser applications.
Es gibt aus meiner Sicht zwei Hauptargumente für den Einsatz browserbasierter Anwendungen ("Software as a Service"):
- Browser- und Plattformunabhängigkeit - Die Anwendungen werden im Browser aufgerufen und ausgeführt, unabhängig vom eingesetzten Betriebssystem. Achtet man bei der Erstellung der Software auf Standardkonformität, ist die Anwendung jedem zugänglich, unabhänging vom installierten Browser (Link: http://www.validome.org/blog/news/Item-127) oder Betriebssystem.
- Geringe TCO (Total Cost of Ownership) - Durch die zentrale Haltung und Verwaltung der Anwendung auf einem Server (Server-Client-Architektur) und den Einsatz von DOM und Ajax, können erhebliche Kosten und Mühen eingespart werden. Beispiel: Bei einer browserbasierten Anwendung, werden Änderungen der Applikation auf dem Server sofort wirksam und im Browser abrufbar, es müssen nicht hunderte oder gar tausende Rechner zeitaufwändig und kostenintensiv aktualisiert werden.
Lokale Applikationen, die von der Funktionalität her in Webumgebungen eingebettet werden, haben allerdings auch ihre Vorteile:
- Geschwindigkeit der Ausführung - Dadurch, dass sie lokal ausgeführt werden, hat der Nutzer (durch die Auswahl seiner Hardware) unmittelbaren Einfluss auf die Ausführungsgeschwindigkeit der jeweiligen Anwendung. Bei serverbasierter Software, könnten tausende Nutzer den entsprechenden Server in Anspruch nehmen, was die Ressourcen für den Einzelnen entsprechend einschränken könnte.
- Internetverbindung spielt keine Rolle - Eine gerade nicht funktionierende oder langsame Internetverbindung, hindert den Anwender nicht daran, eine bestimmte Software, zu einem bestimmten Zeitpunkt, zu nutzen.
- Sicherheit - Eine ordentlich programmierte, lokale Applikation bietet einen - gegenüber Browser - hohen Standard in Sachen Sicherheit. Browser nehmen im Allgemeinen keine Rücksicht auf spezifische Bedürfnisse oder Anforderungen von Nutzern, zudem stellen sie oftmals eine potentielle Sicherheitslücke (Link: http://www.validome.org/blog/news/Item-130) dar.
Es gibt zahlreiche Argumente für oder gegen beide Konzepte, letztendlich entscheidet der Einzelfall, bzw. der allgemeine Bedarf über den Erfolg. Eine mit Fingerspitzengefühl, Weitsicht und Sicherheitsbewusstsein konzipierte und fertiggestellte Software wird zukünftig ein den Anforderungen antsprechendes Mischkonzept darstellen.