Artikel drucken12.11.2005Spiegel-Chefredakteur Stefan Aust in der Kritik
In ihrer Rede im Rahmen der Berliner Zeitungskonferenz am Donnerstag, kritisierte Franziska Augstein - Tochter des 2002 verstorbenen Herausgebers Rudolf Augstein - in ungewöhnlich scharfer Form Stefan Aust, den derzeitigen Spiegel-Chefredakteur und beklagte den Verlust der Führungsrolle des Blattes.
Laut Franziska Augstein, hätte das Blatt unter der Führung von Chefredakteur Stefan Aust, sein Platz als Leitmedium verloren; darüber hinaus seien beim Spiegel (Link: http://www.spiegel.de/) klare Linien durch "weiche Themen" verwässert worden, es würden im Bereich Politik kaum noch bedeutende Akzente gesetzt, bedauerte Franziska Augstein im Wortlaut (Link: http://archiv.tagesspiegel.de/archiv/11.11.2005/2168424.asp#art) [...] Der Akzent auf Wirtschaftsthemen, die Vernachlässigung politischer Entwicklungen und Probleme zugunsten der Personalisierung, die Verlagerung auf die so genannten weichen Themen: All dies kennzeichnet heutzutage den "Spiegel" und hat das Magazin zu einem geschwätzigen Blatt unter anderen gemacht. Der Fisch stinkt vom Kopf. Sie kennen das Sprichwort. Wenn das Blatt, das bisher Standards setzte, diese Standards freiwillig aufgibt, haben andere Zeitungen und Magazine keinen Grund, sich mehr um Ernsthaftigkeit, Ausführlichkeit und Problemdurchdringung zu bemühen. Der Aufwand an Zeit und Geld lohnt sich nicht: Die Konkurrenz ist ja weggefallen.[...] Gruner + Jahr reagierte gestern auf die medienkritischen Außerungen Augsteins mit einer Pressemeldung (Link: http://www.presseportal.de/story.htx?nr=748338), in der verlautbart wurde, das Unternehmen hielte die Aussagen von Franziska Augstein für unbegründet, Stefan Aust geniesse weiterhin das Vertrauen des Hauses. Aust - Chefredakteur des Nachrichtenmagazins seit 1994 - wurde wiederholt Selbstherrlichkeit vorgeworfen, man sprach sogar öffentlich (Link: http://www.handelsblatt.de/pshb/fn/relhbi/sfn/buildhbi/cn/GoArt!200014,200811,983894/SH/0/depot/0/) davon, er würde mehrfach Titelgeschichten des Spiegel gegen den Willen verantwortlicher Ressortleiter "durchdrücken". Stefan Aust setzt sich mit derartiger Kritik auseinander indem er beteuert, eine öffentliche Debatte über seine Person und Machart des Magazins seien geschäftsschädigend, darüber hinaus sei die Kritik - aus seiner Sicht - auf seine Redaktion und nicht auf ihn gerichtet. Die SPIEGEL-Redaktion nimmt zu den Vorwürfen in wenig überzeugender Weise Stellung, Krisenmanagement und Auseinandersetzung mit offensichtlichen Fakten nach wie vor, Fehlanzeige - populistische Durchhalteparolen kennzeichnen das schwache Pamphlet der Hilflosigkeit (Link: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,384466,00.html) Die Ressortleiter des SPIEGEL haben mit Befremden zur Kenntnis genommen, dass Franziska Augstein als Erbin und Mitbesitzerin des SPIEGEL-Verlags die Arbeit der Redaktion öffentlich kritisiert hat. Ihre Hauptargumente zeigen, dass sie wenig versteht von dem, wie ein Nachrichtenmagazin im allgemeinen und der SPIEGEL im besonderen zu berichten hat.[...] DER SPIEGEL steht dank der Arbeit der Chefredaktion, aller Redakteure und aller Beschäftigten glänzend da, seine Auflage liegt konstant bei 1,09 Millionen Exemplaren. Die Leser sind von der Qualität des Magazins überzeugt[...] Hier sollen persönliche Angriffe auf Franziska Augstein und realitätsfremde Führerbunkermentalität über die zur Sprache gebrachten Kritik und die tiefe Medienkrise hinwegtäuschen. Diese neuerliche Debatte stellt zum wiederholten Mal das derzeitige absolute Versagen von Medien und deren Betreiber im Umgang mit journalistischen Visionen, Formaten, Inhalten und deren Monetarisierung eindrucksvoll unter Beweis. |