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21.11.2007

Paid Content

Man könnte meinen, das Thema "Paid Content" wäre als Geschäftsmodell für Inhalte im Web längst abgeschrieben. Doch weit gefehlt, ab und an werden noch Versuche unternommen, diese Schimäre auf die Tagesordnung zu bringen.

Leser oder Nutzer von Webangeboten sind grundsätzlich nicht bereit, für Inhalte zu bezahlen. Warum denn auch, meist findet sich spätestens einige Klicks weiter eine Webpräsenz, die ähnliche Inhalte kostenlos anbietet. Es gibt kaum Inhalte, die derart exklusiv oder einzigartig wären, als dass Nutzer bereit wären, dafür zu bezahlen. Ausnahmen wie manche Sex- oder Porno-Angebote, bestätigen diese Regel, ebenso wie Angebote, im Rahmen derer Nutzer für bestimmte Dienste (Beispiele: Kontaktbörsen, soziale oder Business-Netzwerke, etc.) bezahlen. Hier sind Nutzer bereit, für eine vermeintliche Exklusivität - sei es Inhalte, die zur Ansicht bzw. Download bereit stehen, oder eine uneingeschränkte Funktionalität - Geld zu bezahlen. Doch es sind keine Inhalte, sondern Dienste.

Für Inhalte, sind Nutzer generell nicht bereit, zu bezahlen. Punkt. Längst feilen Medienunternehmen und sonstige Inhalteanbieter an alternativen Refinanzierungsmodellen, Werbeerlöse sind aus Sicht der Beteiligten, das momentane Allheilmittel. Doch auch hier ziehen langsam Wolken am vermeintlich sonnigen Werbehimmel auf, Onlinewerbung im klassischen Sinne wird durch Nutzer zunehmend ignoriert (Link: http://medienkonvergenz.com/2007/11/15/facebook-werbung-wo-bleiben-die-klicks/) - denkbar schlechte Voraussetzungen, um entsprechend hohe Werbeerlöse zu generieren.
Schon tauchen in diesem Bereich die ollen Kamelle wieder auf, man könnte durchaus für Webinhalte Geld verlangen. Dabei argumentieren die unbelehrbaren Propagandisten des Paid-Content-Modells damit, dass man den Nutzer durchaus von einer Kostenlos- zu einer Bezahlmentalität umerziehen könnte (Link: http://www.nytimes.com/2007/11/20/opinion/20lanier.html?_r=1&ex=1353301200&en=c30204f35de54606&ei=5088&partner=rssnyt&emc=rss&oref=slogin):

Information is free on the Internet because we created the system to be that way. We could design information systems so that people can pay for content [...]

Dabei übersieht der Autor des oben erwähnten Artikels in der New York Times einige entscheidende Punkte:

  • Einmal kostenlos immer kostenlos - Man kann ein Produkt sehr leicht billig oder kostenlos anbieten. Einen Weg zurück, gibt es nicht...
  • Das Verständnis von "Inhalten" - Viele Menschen im Internet bieten Inhalte aus verschiedensten Gründen an. Das Geldverdienen mit Content ist nicht immer Ziel entsprechender Offerten, somit besteht für kommerziell orientierte Angebote eine breitgefächerte Kostenlos-Konkurrenz.
  • Qualität ist nichts wert - Die breite Masse ist kaum in der Lage, qualitativ hochwertige Angebote, entsprechend einzuschätzen und zu honorieren. Hervorragend formulierte, gut recherchierte und sachlich richtige Inhalte, erfordern auf Seite des Lesers/Nutzers einen gewissen Spürsinn, Sachkenntnis und Bereitschaft, sich nicht nur oberflächlich mit der Materie zu befassen. Dies ist für einen Grossteil der Nutzer zuviel des Guten. Wer aber Qualität nicht erkennt und schätzt, wird kaum bereit sein, dafür zu bezahlen.

Qualitativ hochwertige Inhalte erfordern seitens des Anbieters einen enormen Zeitaufwand. Werden für die Erstellung dieser Inhalte Angestellte (z.B. professionelle Journalisten/Redakteure) bezahlt, so gilt es, den Content zu monetarisieren. Doch "Paid Content" ist und bleibt ein Rohrkrepierer, ein Wunschtraum der am Haken des Internets hilflos zappelnden Medienbranche, auf der ewigen Suche nach einträglichen Erlösmodellen. Glücklich die, die hiervon ihren Lebensunterhalt nicht bestreiten müssen...;-)