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22.02.2006

Myspace.com - Web 2.0 und der Datenschutz

Web 2.0, Datasharing und Social-Software-Apologeten aufgepasst ! Beim Vorzeigeprojekt Myspace.com kursieren über 7500 Accountdaten unbedarfter User durch das Internet, darüber hinaus stellt das "Social-Portal" für verkappte Kinderschänder und Stalker einen echten Mehrwert dar. Das ist wahrhaftig Networking at its best.

Medienmogul Rupert Murdoch hatte 2005 das "Social-Portal" Myspace.com (Link: http://www.myspace.com/) für 580 Millionen USD gekauft, das Portal zählt laut eigenen Angaben derzeit über 56 Millionen registrierte User. Die bereitwillig veröffentlichten Daten - von persönlichen Datenangaben, über Musik und Bilder, zu persönlichen Gewohnheiten - sollen laut Verlautbarungen einschlägiger Apologeten und der in dieser Richtung abgerichteten Marketingindustrie, zu ungeahnten sozialen Kontakmöglichkeiten und Netzwerken führen: Die Neuentdeckung des Begriffs Social durch Web 2.0, eine echte Revolution...

Bedauerlich nur, wenn der Datenschutz dabei auf der Strecke bleibt und über 7500 Passwörter durch das Netz kursieren (Link: http://digg.com/security/Myspace_Hacked), doch über Datensicherheit und Schutz der Privatsphäre redet die Social-Software-Industrie nicht gerne, verständlich wenn Benutzerprofile und Userverhalten als Grundlage verschwiegener Geschäftsmodelle und obskurer Praktiken im Umgang mit sensiblen Daten dienen sollen.
Unwissende und technisch unbedarfte User, die in ihrer Naivität und Gutgläubigkeit sensibelste Daten offenbaren, sind ein ideales Kanonfutter der neuen Web-2.0-Ära. Dabei weckt die mißratene Nachgeburt der New Economy die Illusion vom persönlichen Mehrwert und sozialer Anerkennung, das reale Leben ist passé, Menschenleben, Freundschaften und Beruf finden ab sofort ausschließlich im Internet und Suchmaschinen statt.

Data-Miner und Stalker frohlocken
Vor gar nicht langer Zeit, war Herumschnüffeln im Leben Dritter verpönt und eher eine Sache diktatorischer Regimes; der moderne Mensch - angefixt von der Social-Software-Industrie und Web 2.0 (Link: http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID5202688_REF1,00.html) - stellt seine Daten und persönlichen Vorlieben freiwillig zur Verfügung, dank bereitwilliger Datenbanken, brauchen entsprechende Verwurster die Datengrundlage nur noch auszuwerten.
Stalker und Kinderschänder brauchen sich ebenfalls nicht mehr sonderlich zu bemühen, Myspace.com & Co. bieten ein unerschöpliches Reservoir an Informationen über potentielle Opfer (Link: http://www.cnn.com/2006/TECH/internet/02/21/myspace.dangers.ap/index.html). Aufgeschreckt durch öffentlich bekannt gewordene Fälle, ahnt langsam manch Elternteil (Link: http://www.news8.net/news/stories/0206/304739.html) (und technisch rückständige Behörde), daß das Netzleben seines Sprößlings keinesfalls harmlos, unschuldig oder gar nur bildungsfördernd ist:

[...] 7 girls as young as 11 have been sexually assaulted by men they met on MySpace, not realizing the potential danger [...]
At meetings like this and in letters home, school officials are now warning parents about the risqué content on these social networking sites. [...]

Web 2.0 und Social-Software at its best...allerdings könnte ein Blick in die Datenschutzerklärung von myspace.com (Link: http://viewmorepics.myspace.com/misc/privacy.html?z=1) eine heilsame Wirkung entfalten

MySpace.com also collects other profile data including but not limited to: personal interests, gender, age, education and occupation in order to assist users in finding and communicating with each other.[...]

This non-personally-identifiable information may be shared with third-parties to provide more relevant services and advertisements to members.

Na dann, viel Spaß !