Artikel drucken11.03.2006Craig Newmark zu Craigslist und Online-Medien
In einem Interview mit den Rocky Mountain News, äußert sich Craig Newmark, Gründer des berühmtesten Kleinanzeigenmarktes der Welt - Craigslist - zur Zukunft von Online-Medien und Perspektiven des sogenannten Grassroot-Journalism.
Craig Newmark hatte sein Online-Anzeigenmarkt Craigslist (Link: http://www.craigslist.org/) 1995 gegründet, mittlerweile zählt sein Dienst 10 Millionen Besucher monatlich und ernährt immerhin 19 Angestellte. War das Einstellen privater Kleinanzeigen anfangs gratis, so müssen jetzt zumindest Firmenkunden für die Schaltung von Annoncen, eine verhältnismäßig geringe Gebühr entrichten. Question: What would you do if you were running a major newspaper dependent on the support of classified ad revenue? Answer: I'd be moving to the Web faster, hiring more investigative journalists, engaging the community and speaking truth to power. Wunderbare Worte aus dem Mund eines Internetpioniers mit Kultstatus, die Mystifizierung des Internets als heilige Stätte der Graswurzel-Demokratie, Wahrheit und investigativer Journalismus als Heiliger Gral einer neuen Ära...Bei näherer Betrachtung, erweist sich der Sachverhalt allerdings als erbitterter Kampf um tragfähige Geschäftsmodelle und Werbekunden, der - wie Nicholas Carr richtig bemerkt (Link: http://www.roughtype.com/archives/2006/03/the_tyranny_of_1.php) - von hochqualitativen Inhalten als Ergebnis fundierter, journalistischer Recherche, nicht leben kann. Wer den Mainstream-Markt geeklike und mit der erforderlichen Coolness bedient und beim User das Grassroot-Feeling zu erwecken versteht, hat user-generated Content und genügend Klicks auf Werbeanzeigen, sagt Carr - und er hat Recht. |