Artikel drucken21.03.2006Unwort Social Networking lockt Investoren
Nach "Humankapital", "Entlassungsproduktivität" und anderen Stilblüten, hätte das Unwort "Social Networking" allerbeste Chancen, um eine vordere Platzierung mitzukämpfen - vorausgesetzt, die breite Masse würde sich dafür interessieren, was bedauerlicherweise nicht zutrifft.
Die Selbstbeweihräucherung, begleitet von geschickt inszenierter Maßlosigkeit und durchsichtigem Guerilla-Marketing ist ein aus der Medienbranche hinreichend bekanntes Phänomen, allerdings versteht es derzeit die seit dem Platzen der Internet-Blase notleidende Webgemeinde, die Selbstinszenierung neu zu definieren. Der Begriff wurde von der Businessblog-Szene neu entdeckt, multimedial aufbereitet und wird täglich in überdosierter Form der nach Ruhm und Reichtum hungernden Netzgemeinde und potentiellen Investoren vorserviert - viel hilft viel, denkt man. In einem sehr gut formulierten Kommentar, spricht Merchandising Prophecy (Link: http://www.xml.com/cs/user/view/cs_msg/3340) im Zusammenhang mit Web 2.0 & Co. von BuzzBuilding Pay some pundits or bloggers for press, start a few fights on lists, have a conference. This is the same game played in entertainment and it works. BuzzBuilding. Note, it doesn't always require high quality product but if you want to sustain the buzz and make more dollars, it does. Es scheint zu funktionieren, denn allein die Erwähnung von Social Networking übt derzeit eine magische Anziehungskraft auf US-Investoren, jeder will sich an einer weiteren MySpace-Success-Story (Link: http://www.validome.org/blog/news/Item-25) beteiligen, die Fantasie exitorientierter VCs kennt hier offenbar kaum Grenzen. Bedenkt man das - gemessen an den beachtlichen Investionen und unrealistisch anmutenden Gewinnzielen - derzeit eher abenteurliche, werbebasierte Geschäftsmodell, so bleibt festzustellen, daß die BuzzBuilder ihre Hausaufgaben in Sachen Illusionismus gemacht haben, denn schließlich leben sie von der Gier die sie gezielt nähren. |