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16.04.2006

Blog-Monitoring - Über Krisenkommunikation und True Lies

Wenn Sie zu der Spezie gehören, die Kunden, Partner und Öffentlichkeit verarscht und Sie daraufhin urplötzlich - und aus Ihrer Sicht unberechtigt - durch die Blogstrassen des Internets unsanft getreten und herumgeschubst werden, brauchen Sie alles, nur keine Krisenkommunikation.

Das was Sie brauchen, ist Krisenbewältigung, denn die Krise ist hausgemacht; Sie haben es nur nicht gemerkt, oder Sie dachten, Incorrectness wäre Normalität. Sie können die "Krise" nur bewältigen, wenn Sie einen Augenblick lang ernsthaft den Stimmen der Erbosten zuhören.
Vergessen Sie die von naturprallen Blendern propagierte professionelle Krisenkommunikation und ihre "Krisenszenarien", denken Sie einfach darüber nach und ändern Ihre grundsätzliche Einstellung. Die Apologeten der präventiven Strategie mittels Blog-Monitoring werden Sie über das Aufkommen des Sturmtiefs niemals rechtzeitig warnen können, auch wenn sie Ihnen gegenüber etwas anderes behaupten. Die Selbstdarsteller in Sachen Weblog-Ausspionieren sind selbst mehr als hilflos, wie man derzeit im Fall Don spielt mit Johanssen & Kretschmer (Link: http://rebellmarkt.blogger.de/stories/429540/) eindrucksvoll sehen kann.

Harsch kritisiert zu werden, ist keine Krise. Fassen Sie es eher als Chance auf, Ihre - möglicherweise veraltete - Verarschungs- und Vertuschungsstrategie vom Grund auf neu zu überdenken, denn auch eine professionell aufgezogene Krisenkommunikation mit all ihren verlogenen Presseerklärungen und hilflosen Stellungnahmen, kann nicht über den maroden Zustand Ihres Konstruktes hinweg täuschen. Kurzum, True Lies (auch wenn professionell formuliert und geschickt platziert) und PR-Schnullis helfen hier nicht weiter, was Sie benötigen, ist eine grundlegende Renovierung.

Lassen Sie sich auch nicht erzählen, Blogger wären die personifizierte Boshaftigkeit oder gar die Ausgeburt der Internet-Hölle, Blogger wollen meist "nur" ein wenig Spass haben. Sie wollen nur ihre Meinung kund tun; nehmen Sie dies als Tatsache hin und interpretieren Sie diese Reaktionen als Verbesserungsvorschläge, für die Sie möglicherweise - bei einem professionellen Consultant-Schnulli - viel Geld bezahlen würden. Ehrlich.
Bedenken Sie immer, die Selbstdarsteller der Krisenkommunikation, erfinden eine Menge an schlau anmutendem Denglish-Bullshit, um Ihnen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Nun, falls Sie möglicherweise in der Politik tätig sind, wird Ihnen die Sache mit den nicht unerheblichen Kosten kaum Kopfschmerzen bereiten, denn Sie können einfach Ihre Steuerpistoleros losschicken, um beim Belogenen das Geld einzutreiben, was sie benötigen, um ihn sanft zu stimmen.

Lange Rede, kurzer Sinn:

  • Lügen haben kurze Beine - Lügen, Verschleierung und Verarschung kommen früher oder später immer raus, mit und ohne Krisenkommunikation. Ein schönes Beispiel ist hier die Vodafone Abhöraffäre (Link: http://www.dsltarife.net/news/1103.html), da redet (oder schweigt?) sich gerade ein öffentlich angeschlagenes Weltunternehmen um Kopf und Kragen; das geht für die übel aus, glauben Sie mir.
  • Die PR-Schnullis servieren Ihnen Weisheiten aus einer Zeit, in der man mediale GAUs noch gemütlich mit dem Chefredakteur, bei einem gepflegten Abendessen, oder alternativ mittels einer romantischen Lustreise (Link: http://www1.ndr.de/ndr_pages_std/0,2570,OID1551722_REF_SPC1539806,00.html), aus der Welt räumen konnte - Weder Sie noch Ihre PR-Firma können aber mit einigen hundert Bloggern essen gehen, oder ihnen gar mit der Kürzung des Werbebudgets drohen.
  • Das für teures Geld angebotene Blog-Monitoring - als probates Präventionsmittel - ist in Wirklichkeit nutzlos, denn im Extremfall werden weder Sie noch Ihre PR-Kettenhunde binnen 30 Minuten angemessen reagieren (können).
  • Da wäre noch die Sache mit der Glaubwürdigkeit: Die PR-Schnullis pflegen im Alltag ihre in der Branche dringend benötigten "Netzwerke", erstellen verlogene aber beeindruckend anzuschauende Powerpoint-Präsentationen und betreiben mittels Themenabenden, "Konferenzen" und Seminaren fleißig Kundenakquise. Kaufmännisch sehr sinnvoll, aber: sie bloggen nicht und haben auch in der Szene kaum relevante Kontakte, von ihrer Glaubwürdigkeit wollen wir gar nicht reden. Dämmerts jetzt?

Nehmen Sie sich ein Beispiel an die heimische Landwirtschaft: gibt eine Kuh aufgrund eines fiebrigen Infektes keine Milch, helfen kaum schnöde Beteuerungen, Gegendarstellungen oder Presseerklärungen. Der Bauer ist schlau und behandelt die eigentliche Krankheit, vom Versuch diese weg zu leugnen gibt die Kuh keine Milch.
Überhaupt, lassen Sie etwas Sauerstoff an Ihr Gehirn, Grossbüroräume, Klimaanlagen, dauerhafte PC-Arbeit und ein bestimmtes Umfeld vernebeln Ihren klaren Verstand.