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07.03.2007

Sind Weblogs ein parasitäres Medium?

Es gibt zahlreiche Diskussionen, ob Weblogs überhaupt einen Mehrwert darstellen und wenn, für wen. Blogger würden ja Theman aufgreifen, die von "etablierten" Informationsportalen oder Nachrichtenagenturen bereits behandelt worden wären. Sind also Weblogs generell Watchblogs und dadurch parasitär?

Wenn man von Blogs als parasitäres Medium (Link: http://www.ojr.org/ojr/stories/070301niles/) spricht, ignoriert man das Naturell des Mediums: ein Blog ist keinesfalls mit einem Nachrichten- bzw. Informationsportal zu vergleichen, Weblogs stellen (meistens) eine individualisierte Sichtweise dar. Wenn man etwas bloggt, hat man auch eine eigene Meinung dazu und man möchte diese auch kund tun, ob jemand anders dieses Thema bereits aufgegriffen hat oder nicht.
Dabei ist der Anlass eines Postings eher von sekundärer Bedeutung, eine News oder ein Artikel in einem anderen Medium zu einem bestimmten Thema sehe ich als Initialzündung für einen eigenen Gedankengang oder Meinungsäußerung zu dem jeweils aufgegriffenen Themenbereich. Darin liegt für mich auch der Reiz der Blogosphäre: Die Vielfalt der verschiedenen Meinungen und viele verschiedene Sichtweisen, stellen eine großartige Bereicherung dar.

Vermeintliche Leitmedien und Nachrichtenagenturen können durch ihr Naturell nur über ein Thema berichten - und das, möglichst neutral. Diese Art der Berichterstattung, verbietet fast pointierte Stellungnahmen und Meinungsäußerungen seitens der Redakteure, was einer der Gründe sein dürfte, warum Leitmedien durch ihre Berichterstattung Fakten schaffen und es somit - innerhalb der jeweiligen Plattform - kaum zu einer Diskussion hierüber kommt.
Blogger greifen ein Thema auf, setzen sich mit verschiedenen Aspekten und Sichtweisen auseinander und betreiben dadurch ein gewisses Feintuning der aufgegriffenen Inhalten. Hierdurch ermöglichen Weblogs überhaupt eine Diskussion, es gibt schliesslich keine Verpflichtung zur Neutralität oder gebotene Distanz zu einem Thema.
Weblogs konkurrieren aus diesem Grund nicht mit Journalismus oder klassischen Online-Medien, sie stellen vielmehr eine ergänzende Plattform für Meinungsäußerung und vielfältige Betrachtungsweisen dar - der Gegenpol zum Mainstream und uniformer Berichterstattung inklusive.

Darüber hinaus, greifen Blogs durchaus Themen auf, um die sog. Leitmedien, einen großen Bogen machen: erst durch die Recherche und Einsatz einiger Blogger, kamen beispielsweise hanebüchene Versäumnisse (Link: http://www.karsten-wenzlaff.de/?p=115) unfähiger Web-2.0-Entrepreneure an die Öffentlichkeit, hier waren die Leitmedien "parasitäre Sekundärverwerter". Es gibt auch etliche Weblogs, die ihr eigenes Süppchen kochen, sprich, sie Berichten über persönliche Dinge, die die Betreiber beschäftigen, vom Kochen, über Urlaub, bishin zu Kindererziehung. Vielfalt as it is und kaum in einem Schema zu pressen.
Warum dann die ganze Diskussion, fragt man sich...Vielleicht ist die Antwort einfacher als wir alle denken: auch wenn es unbedeutend sein sollte, das Thema beschäftigt die Menschen und Meinungsvielfalt ist für meine Begriffe ein wesentlicher Grundzug einer demokratischen Gesellschaft. Aktive Teilnahme an öffentliche Diskursen ist gleich zu setzen mit Meinungsbildung und -äußerung - damit man nicht als trackbares Klickvieh (Link: http://www.validome.org/blog/news/Item-63) endet.