Validome Weblog
08.12.2007Das Internet - Debattierklub für Anonyme, Ahnungslose und Denunzianten?
Das behauptet zumindest Bernd Graff in einem bemerkenswerten Artikel in der Sueddeutschen. Dabei hat er nicht einmal Unrecht, nur verwendet er dabei Provokationen, Kraftausdrücke und Pauschalisierungen, ebenso wie die von ihm angeprangerten Grassroot-Journalisten.
Dass jedes Individuum auf einfachster Weise seine Gedanken und Meinungen frei publizieren kann, ist ein großer Gewinn für jede demokratische Kultur. Das Problem: Viele nehmen diese Möglichkeit in Anspruch, ohne Rücksicht auf Qualität und Richtigkeit der dargebotenen Inhalte, von Schreibstil, Form und Höflichkeit gegenüber dem Leser ganz zu schweigen. Graff behauptet Das Internet sei ein Debattierklub für Anonyme Was niemand hören will: Hier stößt das sog. partizipative Web an seine Grenzen, Diskurs und lautes Poltern ja, Verantwortung nein. Zivilcourage und eine fortgeschrittene Diskussionskultur bedeuten, zu seinen Aussagen zu stehen und nicht die Haftung für eingestellte Inhalte, auf die Betreiber einer Plattform abzuwälzen. Ebenfalls zwiespältig: Das Angebot an "anonym" betriebenen Weblogs wächst ständig, mit ein paar Mausklicks kann man sich problemlos und ohne Preisgabe der eigenen Identität oder Berücksichtigung der gesetzlich vorgeschriebenen Impressumspflicht, ein Blog einrichten und "losrotzen". Im Gegensatz dazu, wird in den klassischen Medien mit offenem Visier gespielt, die Verantwortlichkeit für die dargebotenen Inhalte ist klar definiert und angegeben. ...Ahnungslose, Die Frage ist, ob in diesem Punkt, die klassischen Medien, nicht ebenfalls täglich sündigen. Die traurige Wahrheit ist, ja, sie tun es. Journalisten schreiben für klassische Medien fleissig und ohne jeglicher Fachkenntnis über Themen und Bereiche, innerhalb deren sie sich so sicher und geschmeidig bewegen wie Bud Spencer am Hochseil, beanspruchen dabei jedoch die Deutungshoheit in der Medienlandschaft. Qualitätsjournalismus als Anspruch, dem man in keinster Weise mehr gerecht wird. ...und Denunzianten In diesem Zusammenhang, sollte man sich allerdings die Frage stellen, ob "Enthüllungsjournalismus" nicht dem gleichzusetzen ist. Mir hat vor gar nicht langer Zeit ein namhafter Frankfurter Journalist gesagt, in jedem Journalisten stecke ein kleiner Denunziant. Dabei ginge es im Endeffekt nicht um die Sache an sich, es ginge um Quote, Aufmerksamkeit und Selbstwertgefühl...Hm, haben Denunzianten überhaupt ein Selbstwertgefühl, oder handelt es sich hierbei um nicht vorhandenes Selbstbewusstsein, Egomanie und Selbstreferentialität? Der Artikel von Bernd Graff ist provokativ, er spricht von "Querulanten", "Freizeitaktivisten", "Debattenquickies" und "Auswüchse des Absurditätenstadls". Das Problem dabei ist, dass obwohl er in vielen Punkten Recht hat, Herr Graff nicht glaubwürdig ist. Er ist unglaubwürdig, weil er dabei vergisst zu erwähnen, dass viele Kritikpunkte 1:1 auf klassische Medien übertragbar sind. Samt Ahnungslosigkeit, Falschaussagen und Denunziantentum... [via Robert] |
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