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18.12.2007

W3C - CSS Working Group massiv in der Kritik

Die Untätigkeit (nicht nur) der CSS Working Group geht immer mehr Menschen auf die Nerven. Das W3C hat sich zu einem unbeweglichen, passiven Molloch entwickelt, das die Erwartungen der Webgemeinde in keinster Weise mehr erfüllt. 

Das Validome-Team arbeitet seit einiger Zeit an einem eigenen CSS-Parser und -Validator. Dabei haben einige unserer Entwickler den CSS-Validator des W3C näher angeschaut, das Urteil ist verheerend ausgefallen: Dieses Tool ist leider nicht mehr als ein primitiver CSS-Syntaxchecker, der Java-Code ist grausam. Der in der Szene sooo gern zitierte W3C-Validator versteht keine kontextualen Zusammenhänge und ist zudem voller Bugs - die zu beheben ist nicht einfach, ein Blick in den Klassen und undokumentierten Code, treibt jeden erfahrenen Entwickler in die Verzweifelung. Schmuckstück der Zumutung: Die Tokenizer-Klasse, ein Irrsinn und zugleich bestes Beispiel für Coding-NoNos. Zum Thema Webstandards/Validatoren, sagt Björn Höhrmann - bekannt durch sein unermüdliches Engagement beim W3C - gegenüber Heise:

Viele sehen den Zusammenhang zwischen dem Erfolg eines Standards und der Verfügbarkeit von Werkzeugen wie dem Validator nicht. Das Team wie auch der Validator selbst waren letztlich so unwichtig, dass es für mich keinen Sinn mehr machte, darin mitzuarbeiten.

Das W3C, über Jahre in den USA ein unagreifbares Heiligtum, verliert zunehmend an Glaubwürdigkeit und Zustimmung. Aktuell sieht sich das Konsortium - und hier speziell die CSS Working Group - mit harscher Kritik konfrontiert:

  • Andy Clarke - "CSS Unworking Group" - Andy protestiert gegen die Untätigkeit der Arbeitsgruppe und fordert sogar die Ersetzung einiger Mitglieder. Vorwurf: Die CSS Working Group hätte seine Unabhängigkeit verloren, sie sei durchsetzt von Mitarbeitern von Browser-Herstellern, die die jeweiligen Interessen ihres Arbeitgebers vertreten würden
  • The W3C Cannot Save Us - Eindrucksvolles Zeugnis der Versäumnisse der entsprechenden Arbeitsgruppen über die letzten Jahre. Das W3C trage in keinster Weise neuen Entwicklungen und Trends Rechnung, das W3C kann uns nicht mehr helfen: "Neither the CSS WG nor the HTML 5 WG nor, indeed, any W3C working group can define the future. They can only round off the sharp edges once the future becomes the past and that's all we should ever expect of them. As much as they tell us (and themselves) that they can, and as much as they really would like to, the W3C cannot save us."
  • The future of web standards - Massiver Rundumschlag gegen Untätigkeit und Ignoranz beim W3C. CSS besteht in der jetztigen Form (2.0) seit 1998, CSS 2.1 ist immer noch "Candidate Recommendation". In Sachen HTML hat sich seit Version 4.01 faktisch nichts mehr getan, etc., etc.

Lesenswerte Artikel für alle Jubelperser und W3C-Gläubige und eindrucksvolles Zeugnis von Ohnmacht und Untätigkeit einer überaus notwendigen, ehemals unabhängigen Instanz...:-(((

[Update]
Die CSS-Arbeitsgruppe ist irrelevant - "The CSS working group right now is chronically dysfunctional, as most close observers have noticed.". Ian Hickson, anlässlich einer Zusammenkunft mit der Gruppe in Mountain View.

Kommentare


#1 Schimpanski schrieb am 18.12.2007, 13:11
Warum ist eigentlich der w3c für die standards zuständig? Warum gibt es nicht eine europäische initiative? Wenn man sich anguckt wie viel Geld von den mitglieder in die kassen vom w3c fliessen, oha! Was machen die eigentlich mit dem ganzen geld und iherer zeit?
Fragen über fragen.

#2 Yehuda schrieb am 18.12.2007, 13:59
> Was machen die eigentlich mit dem ganzen geld und iherer zeit?

DAS musst Du die Zuständigen beim W3C direkt fragen. Die Mitgliederbeiträge sind in der Tat knackig, wohin das Geld im einzelnen fliesst, kann ich Dir nicht sagen.
Betrachtet man den Zustand bestehender Spezifikationen (von neuen Entwicklungen wollen wir hier gar nicht reden), so wird man nur mit dem Kopf schütteln müssen...

> Warum gibt es nicht eine europäische initiative?

Gute Frage, vermutlich weil wir Europäer ungeprüft alles abnicken, was aus den USA kommt. Andererseits solltest Du berücksichtigen, dass Webstandards international anerkannt und gültig sein sollten - lokale Lösungen und Initiativen können nur "anregend" wirken, die Standards an sich müssen international gültig und anwendbar sein. Ein Web, ein Standard...;-)

> Warum ist eigentlich der w3c für die standards zuständig?

Gute Frage, sie waren vermutlich die ersten, die sich hierfür zuständig erklärt und andere um sich geschart haben.
Streng genoomen ist das W3C keine offiziell anerkannte Organisation und ergo auch nicht berechtigt Standards (im eigentliche Sinne, z.B. ISO) festzulegen. Ihr Dasein hat sich trotzdem als Glücksfall erwiesen, denn sie galt lange Zeit als unabhängige Instanz, die proprietär angehauchte Wunschvorstellungen mancher Konzerne erheblich beschnitten hat. Nachträglich betrachtet, eine Wohltat für die Gesamtentwicklung des Internets.

#3 Schimpanski schrieb am 18.12.2007, 15:00
Streng genoomen ist das W3C keine offiziell anerkannte Organisation
Warum kuschen dann alle davor? Das ist doch schon absurd und würde vor gericht als amtsanmaßung gelten.
###########################
Nachträglich betrachtet, eine Wohltat für die Gesamtentwicklung des Internets.
Die 'wohltaten' haben aber die mitglieder fürstlich bezahlt, nicht wahr? Da müssen wir hier nicht von gutmenschentum ausgehen, der motor wurde schließlich mit harten dollars gespeist. Ich nehme den verein seit jahren eher als bremse wahr und kann den bedächtigen respekt geg. dieser organisation überhaupt nicht nachvollziehen. Hickson hat recht wenn er sagt, das w3c ist irrelevant. Sie sollen einfach mal den weg für neue entwicklungen wie html5 schnellstens frei machen!

#4 Yehuda schrieb am 18.12.2007, 15:47
> Hickson hat recht wenn er sagt, das w3c ist irrelevant.

Hickson sagt nicht, das W3C sei irrelevant, er sagt die CSS Working Group ist seiner Ansicht nach irrelevant. Dies ist ein kleiner, aber feiner Unterschied, denn er bezieht sich mit dieser Aussage auf ein konkretes Treffen vom März diesen Jahres, das Google gesponsert hatte.
Bei aller berechtigten Kritik, sollte man die Kirche im Dorf lassen. Will sagen: Googles Interessen in Sachen HTML5 sind allseits bekannt, Ian Hickson ist ehemaliger Opera- und jetztiger Google-Mitarbeiter. Das W3C sollte sich keinesfalls vor diesem Karren spannen lassen. Schneller und vor allem weitsichtiger arbeiten und entscheiden, ja! Im Interesse von Konzernen "durchwinken", nein!
BTW: Wäre nett, wenn Du mal mit offenem Visier spielen würdest...;-)


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