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21.03.2006

Unwort Social Networking lockt Investoren

Nach "Humankapital", "Entlassungsproduktivität" und anderen Stilblüten, hätte das Unwort "Social Networking" allerbeste Chancen, um eine vordere Platzierung mitzukämpfen - vorausgesetzt, die breite Masse würde sich dafür interessieren, was bedauerlicherweise nicht zutrifft.

Die Selbstbeweihräucherung, begleitet von geschickt inszenierter Maßlosigkeit und durchsichtigem Guerilla-Marketing ist ein aus der Medienbranche hinreichend bekanntes Phänomen, allerdings versteht es derzeit die seit dem Platzen der Internet-Blase notleidende Webgemeinde, die Selbstinszenierung neu zu definieren.
Der Begriff Social Networking wurde bereits 1954 durch den Australischen Soziologen J.A. Barnes und seine Publikation Class and Committees in a Norwegian Island Parish (PDF-Dokument) geprägt. Seine Publikation, basierend auf Erlebnisse und Studien in Norwegen in den Jahren 1952 und 1953, befasst sich mit Entscheidungsprozessen als Resultat mikrosoziologischer Strukturen.

Der Begriff wurde von der Businessblog-Szene neu entdeckt, multimedial aufbereitet und wird täglich in überdosierter Form der nach Ruhm und Reichtum hungernden Netzgemeinde und potentiellen Investoren vorserviert - viel hilft viel, denkt man. In einem sehr gut formulierten Kommentar, spricht Merchandising Prophecy im Zusammenhang mit Web 2.0 & Co. von BuzzBuilding

Pay some pundits or bloggers for press, start a few fights on lists, have a conference. This is the same game played in entertainment and it works. BuzzBuilding. Note, it doesn't always require high quality product but if you want to sustain the buzz and make more dollars, it does.

Es scheint zu funktionieren, denn allein die Erwähnung von Social Networking übt derzeit eine magische Anziehungskraft auf US-Investoren, jeder will sich an einer weiteren MySpace-Success-Story beteiligen, die Fantasie exitorientierter VCs kennt hier offenbar kaum Grenzen.
So beteiligte sich kürzlich BV Capital aus San Francisco mit 300.000 USD an die Social-Network-Plattform Xuga.com und Draper Fisher Jurvetson mit 7 Millionen USD an dem MySpace-Mitbewerber Tagworld.com, der in nur 4 Monaten die magische Grenze von einer Million registrierte User erreicht hatte.

Bedenkt man das - gemessen an den beachtlichen Investionen und unrealistisch anmutenden Gewinnzielen - derzeit eher abenteurliche, werbebasierte Geschäftsmodell, so bleibt festzustellen, daß die BuzzBuilder ihre Hausaufgaben in Sachen Illusionismus gemacht haben, denn schließlich leben sie von der Gier die sie gezielt nähren.
Schade nur um die Verfremdung des Begriffs "Social Networking"... 

Kommentare


#1 Ralph schrieb am 21.03.2006, 14:09
>it doesn't always require high quality product but if you want to sustain the buzz and make more dollars, it does.

Sehr treffend formuliert! Selten eine derart passende Beschreibung für den Hype gesehen; sollte man sich einrahmen ;-)

#2 Yehuda schrieb am 22.03.2006, 09:10
Hallo Ralph,
Ja, die Formulierung hat mir auch sehr gut gefallen, weshalb ich Merchandising Prophecy auch zitiert habe.
>sollte man sich einrahmen
Ist ja "eingerahmt" !


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