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19.04.2006Heise Forum-Urteil - Bedeutung für Weblog- und Forenbetreiber
Mit seinem Urteil zur Forenhaftung vom 2 Dezember 2005, hatte das Hamburger Landgericht für reichlich Diskussionsstoff gesorgt, sorgten sich viele Weblog- und Forenbetreiber um die Haftungsfrage für die von fremden Usern geposteten Beiträge.
Das Urteil sieht in der Tat Foren- und Weblog-Betreiber, für rechts- oder persönlichkeitsverletzende Fremdbeiträge, einer verschärften Haftung unterworfen. Viele Blogger und Foreninhaber sorgen sich nun um die Zukunft des Mediums Internet als Plattform zur freien Meinungsäusserung und Informationsausatausches. War es bis zu diesem Urteil so, dass der Betreiber eines Forums oder Weblogs, erst nach Kenntnisnahme eines rechtswidrigen Beitrages in der Haftung war (und somit die Chance hatte, den betreffenden Beitrag zu entfernen), so soll der Verantwortliche ab jetzt bereits im Vorfeld dafür sorgen, dass rechtswidrige Beiträge erst gar nicht eingestellt werden.
Die Zeiten, in denen Foren oder Weblogs zur Veröffentlichung von rechtswidrigen oder persönlichkeitsverletzenden Beiträgen ungestraft genutzt werden konnten, sind somit vorbei. Was hier kaum erwähnt wird: Die bislang herrschende Anonymität haben viele Poster misbraucht, indem sie "unerkannt" rechtswidrige oder grenzwertig merkbefreite Postings absondern konnten. Dies hat mit Presse- oder Meinungsfreiheit NICHTS zu tun: Will man derartiges absondern, so sollte jeder Foren- / Weblog-Teilnehmer mit seinem Namen (und seiner Identität) dafür einstehen, das Internet ist kein rechtsfreier Raum. Für grosse Foren oder Weblogs wird durch dieses Urteil ein "normaler Betrieb" kaum noch möglich sein, denn wer kann schon Tausende von Beiträgen pro Tag (so z.B. im Heise-Forum) ohne weiteres vormoderieren? Kurz zusammengefasst kann man die aktuelle Entscheidung glattweg nur als absolutes Fehlurteil bezeichnen. Auch wenn der verklagte Heise-Verlag schon Berufung angekündigt hat und das Urteil somit (noch) nicht rechtskräftig werden wird, dürfte die Wirkung auf das Netz der Netze gewaltig werden. Denn schon vor der Veröffentlichung der Entscheidungsgründe beriefen sich zahlreiche Abmahner auf dieses Urteil. Das dürfte jetzt, nach der Veröffentlichung, erst recht gelten. Der Heise-Verlag hat zwar angekündigt, gegen das Urteil Rechtsmittel einzulegen, die Folgen bleiben trotzdem unkalkulierbar, wird diese Entscheidung zweifellos dazu misbraucht werden, mißliebige (aber keinesfalls rechtswidrige oder persönlichkeitsverletzende) Kritik, durch Betroffene, unterbinden zu wollen. |
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