Aufgrund einer erneuten Explosion und der dadurch entstandenen Beschädigung des Reaktorbehälters, wird die Lage im und rund um das AKW Fukushima immer dramatischer. Radioaktivität tritt aus, Messungen ergaben laut Behördenangaben hundertfach erhöhte Werte. Obwohl stets widersprüchliche Meldungen zu Art und Umfang der technischen Schäden zu lesen sind, lautet die Frage, die die Welt in Atem hält: Tritt der befürchtete GAU ein und wenn, wieviel Radioaktivität tritt dabei aus? Und wie entwickelt sich das Wetter? Treten tatsächlich erhebliche Mengen an radioaktivem Material aus und dreht der Wind nach Südwesten, so könnte diese radioaktive Wolke die 35-Millionen-Metropole Tokio bedrohen.
Die Expertenmeinungen zum Worst Case sind gespalten, der Münchner Strahlenschutz-Fachmann Herwig Paretzke hatte sich erst gestern noch “vorsichtig optimistisch” geäussert:
Selbst wenn es jetzt noch zu einer großen Explosion und Freisetzung von Nukliden kommen sollte, wären die Folgen nicht so schlimm wie damals in Tschernobyl. [...] Die Kernreaktion wurde ja schon vor Tagen gestoppt, und die dabei entstehenden besonders gefährlichen Nuklide haben kurze Halbwertzeiten und sind kaum noch vorhanden.
Dabei geht der Forscher und einige seiner Kollegen davon aus, dass durch die schnelle Abschaltung des Reaktors nach dem Erdbeben am letzten Freitag, gefährliche Nuklide – aufgrund ihrer kurzen Halbwertzeit – kaum noch vorhanden sind.
Die Tatsache, dass die japanische Regierung erstmals vor gesundheitlichen Bedrohungen für die Bevölkerung spricht, lässt die Welt auch nicht optimistischer in die Zukunft blicken. Der Grund für die stark angestiegene Radioaktivität im Umfeld von Fukushima seien nicht die beschädigten Reaktorblöcke, sondern Feuerschäden in einem benachbarten Lager für Altbrennstäbe, so der AKW-Betreiber.
Worauf die stark erhöhte Radioaktivität auch immer zurüchzuführen ist, fest steht, es wird für die an Ort und Stelle anwesenden Fachleute immer gefährlicher. Was passiert aber, wenn man – um sie nicht zu opfern – abzieht? Droht dann eine Atomkatastrophe, oder ist diese bereits jetzt nicht mehr zu verhindern? Black-Swan-Events sind eben nicht kalkulierbar…
Update 13:40: Aufgrund hoher Strahlenwerte, mussten die verbliebenen 50 Arbeiter aus Fukushima abgezogen werden. Jetzt werden die Reaktorblöcke “ihrem Schicksal” überlassen. Nach Einschätzung der Französischen Atomsicherheitsbehörde, werden die Ereignisse im beschädigten Atomkraftwerk nun mit Stufe 6 bewertet. Zur Erinnerung: Tschernobyl wurde auf der INES-Skala mit einer 7 bewertet.